Blumen, Wochenmarkt und Sundowner-Bier: Eine Liebeserklärung an Laim

© Jessica Tovenrath

Als klar war, dass ich von Stuttgart nach München ziehen würde, ging der Kopf-Kinotrailer für mein neues Leben los: Mit Laptop schlendere ich morgens in ein fancy Café, um bei einem großen Hafercappu Mails zu checken. In der Mittagspause dippe ich die Zehen in die Isar, mache Afterwork-Spritz-Pläne und bääähm! Dann kam Corona (again) und die Realitätsklatsche. Mitten im Lockdown zog ich mitten ins Nirgendwo so wie manche Zentral-Münchner*innen Laim überdramatisch lokalisieren. Tatsächlich liegt der Stadtteil zwischen der Schwanthalerhöhe im Laimer Osten sowie Pasing im Westen oder auch: zwischen Hirschgarten und Gans am Wasser. Mein Freund wohnte dort bereits in einer WG am Laimer Platz, die sich gerade auflöste, als wir auf Wohnungssuche in den üblichen beliebten Vierteln waren. Und was soll ich sagen, im Hinblick auf die Coronasituation und den Horror-Mietpreisen, sprachen alle Zeichen der Vernunft dafür, dass wir die ehemalige Männer-WG zu unserem Zuhause machen würden.

Ist ja nur eine Zwischenlösung haben wir gesagt – vor zwei Jahren.

Mittlerweile habe ich Laim und seine vielen Gesichter lieben gelernt – auch ohne Großstadtglamour und Isarnähe. Oder manchmal genau deshalb! Klar, der erste Eindruck ist meist geprägt von der trubeligen Landsberger oder Fürstenrieder Straße, die sich wie ein Reißverschluss durch Imbissbuden, Friseurläden und Supermarktketten zieht. Doch schaut man über den mehrspurigen Straßenrand hinaus, überrascht Laim mit charmanter Dorfidylle, Siedlungen voller Geschichte, grünen Tischtennis-Oasen, und ein paar wenige Cityvibes. Für Letzteres sorgt vor allem das Steinchen Kulturcafé. Ein Happyplace im Freien, der alle Generationen zwischen Graffitis zusammenbringt, Livemusik im Programm hat – und wichtig: Hafermilch-Cappuccino. Auf dem Weg dorthin bleibe ich eigentlich immer am Schaufenster von „Bücher Hacker“ kleben. Mein Herz hüpft bei der Auswahl an schönen Postkarten und neuen Bestsellern. On top gibt es immer freundliche Beratungsgespräche und eine Brise Sandwichduft vom Subway nebenan, wenn die Ladentür aufgeht. Mit Lesestoff und Paulaner Spezi radle ich nach Feierabend oft durch die schmucken Altbausiedlungen Richtung Pasing und fühle mich dabei wie eine Zeitreisende. Angekommen im großen Landschaftspark suche ich eine Bank mitten im Grünen und schalte mich beim Lesen in den Flugmodus. Seelenyoga mal tausend.

Seit ich in Laim bin (oder in den 30ern) gehöre ich phasenweise sogar zu den Menschen, die ihr Leben im Griff haben und es komplett feiern!

Blumen auf dem Wochenmarkt kaufen, Haferflocken im Unverpacktladen abfüllen, Kuchen bei der traditionellen Konditorei holen – herrlich! Das Ding ist, ich habe mich irgendwann darauf konzentriert, was es hier alles gibt, statt darauf, was fehlt. Dorfvibes sei Dank kann man hier spontan sein, sich Zeit lassen und trotzdem viele Dinge genießen, die man in München City liebt – gute internationale Küche zum Beispiel. Wenn die Griechenlandvermissung mal wieder kickt, geht’s auch ohne Reservierung ins charmante Tou Bakali für ein bisschen Urlaubsgenuss. Schwierig wird es nur dann, wenn der Ouzo Lust auf mehr macht. Aber es muss ja auch noch Gründe geben, aus Laim rauszukommen. Und dann fühle ich feiern, shoppen, ins Museum oder an die Isar gehen immer so richtig!

Aber eigentlich wollte ich nur sagen: Liebe geht raus an dich, Laim! Auch wenn ich mir Minga-Me anfangs ein bisschen anders vorgestellt habe.

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