Pfeffrig, fettig, viel zu gut – Eine Liebeserklärung an die Pfefferbreze

Es knistert verheißungsvoll, als ich sachte die Papiertüte öffne. Vorsichtig bahnen sich meine Fingerspitzen ihren Weg, um die wertvolle Fracht ans Licht zu befördern. Sie greifen nach den geschmeidigen Rundungen, die sich perfekt an die Wölbung meiner Hand anpassen. Jeden Moment könnten Engelschöre erklingen, denn das, was mich nun erwartet, ist nicht einfach irgendein dahergelaufenes Gebäck. Es ist ein neue Entwicklungsstufe. Etwas, von dem ich nicht wusste, dass es in meinem Leben fehlte. Doch seitdem es da ist, will ich nicht mehr ohne sein. Es ist die Pfefferbreze.

Eine gute Breze ist eine gute Breze ist eine gute Breze. Müsste man doch wirklich nichts daran ändern. Teig, Lauge, Salz. Fertig.

Wir alle kennen den Spruch: Never change a winning team. Gilt bis heute im Sport wie in der Kulinarik. Denn seien wir mal ehrlich: Die Evolution mancher Lebensmittel könnten wir doch getrost als abgeschlossen akzeptieren. Ein Hoch dem Innovations- und Erfindergeist, aber eine gute Breze ist eine gute Breze ist eine gute Breze. Müsste man doch wirklich nichts daran ändern. Teig, Lauge, Salz. Fertig.

© Julian Schöll
Die geheime Zutat der Pfefferbreze ist nämlich gar nicht Pfeffer. Das Geheimnis ist: Fett.

Der Brezenhorizont ist – zumindest in bayerischen Gefilden – nicht unendlich und muss es auch nicht sein. Und doch sind die Wege innerhalb des Laugenkosmos wohl so verschlungen wie die Breze selbst. Und ich bin froh, dass wohl irgendwann mal jemand die Zwangsehe von Lauge und Salz aufgebrochen und gefragt hat: „Have you met pepper?“

Satt liegt die Pfefferbreze in meiner Hand, ich spüre das Gewicht des knotigen Gebäcks, rieche das pfeffrige Aroma und sehe den leichten Fettfilm, den die Breze auf der Bäckertüte hinterlassen hat. Die geheime Zutat der Pfefferbreze ist nämlich gar nicht Pfeffer. Das Geheimnis ist: Fett. Natürlich.

© Nina Vogl
So wie Cleopatra einst in Eselsmilch badete, unterzieht sich auch die Brezen auf dem Weg zu ihrer besten, geschmeidigsten Pfefferversion einer besonderen Wellnessbehandlung

Wer glaubt, dass die Bäcker*innen es sich leicht machen und einfach Salz durch Pfeffer ersetzen, der irrt. So wie Cleopatra angeblich einst in Eselsmilch badete, unterzieht sich auch die Brezen auf dem Weg zu ihrer besten, geschmeidigsten Pfefferversion einer Art Wellnessbehandlung. Bevor es in den Backofen geht, wartet Tigerpaste statt Eselsmilch auf den Brezen-Rohling. Ja. Tigerpaste. Ziemlich dramatischer Name für eine Salz-Pfeffer-Öl-Mischung, aber schon seit Aristoteles ist bekannt, dass das Ganze bekanntlich mehr ist als die Summe seiner Teile.

© Nina Vogl

Die Erleuchtung im Pfefferbrezen-Paradies

Während ich die Breze zu meinem Mund führe, steigt mir der Duft der in Tigerpaste gebadeten krossen Offenbarung in die Nase und bereitet meine Geschmacks-Rezeptoren auf ein perfekt orchestriertes Aromen-Konzert vor. Krchhhsch – so ähnlich klingt der erste Biss. Der würzige Geschmack füllt meine Mundhöhle, meine anderen Sinne setzen aus und ich vergesse für einen Moment alles um mich herum.

Mein Rat an dieser Stelle: Storniert den Wellness-Urlaub, sagt das Yoga-Retreat ab und deinstalliert die Meditations-App. Nehmt lieber 1,25 Euro in die Hand, lauft so schnell es geht zum nächsten Bäcker (aber nicht zu Yormas! – viel zu trocken) und gönnt euch einen Moment der Erleuchtung im Pfefferbrezen-Paradies.

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