Mein Lieblingsort in München #16: Die Gerner Brücke

© Sarah Langer

Wir empfehlen jeden Tag jede Menge toller Locations, ausgesucht von uns und unseren Autor*innen. Und trotzdem hat jede*r von uns dieses eine immer gleiche Café, in dem er oder sie schon seit Jahren draußen seinen Cappuccino trinkt, den einen See, an den man immer wieder fährt und von dem man einfach nicht genug bekommt oder diese eine Ecke der Stadt, die das Herz jedes Mal aufs Neue höher schlagen lässt. Hier kommen unsere ganz persönlichen Lieblingsorte in München. Heute erzählt uns Sarah, warum für sie die Gerner Brücke der perfekte Spot für einen Sonnenuntergang ist und warum es sie immer an einen Nicholas-Sparks-Roman erinnert.

Ich bin ein Münchner Kindl. Nur einmal habe ich bis jetzt die Landeshauptstadt verlassen und mich für mein Studium ins sehr große Berlin getraut. Nach weniger als zwölf Monaten wurde das Experiment abgebrochen, weil ich good old Minga einfach zu sehr vermisst habe. Für mich ist es eben nicht nur eine Stadt, sondern einfach mein Zuhause. Doch gibt es Ecken, die ich mag und andere Ecken, die ich eben noch ein kleines bisschen mehr mag. Eine dieser Ecken ist die Gerner Brücke am Nymphenburger Kanal.

© Sarah Langer

Mit zwölf Jahren bin ich nach Neuhausen gezogen. Ein richtiges Neuhausen-Girl war ich in meiner Jugend aber nie, kannte mich demnach auch nicht wirklich aus. Mit 24 bin ich dann zurück gekommen. Dort habe ich eine wunderschöne Altbauwohnung bezogen, die sogar auf der Toilette Fischgrätenparkett hat. Ja, die Info wollte ich erwähnen – bin eben stolz drauf. Dort wohne ich jetzt schon seit zwei Jahren zusammen mit meinem Hund.

Nach dem Einzug erkundeten wir die Gegend, zogen unsere Runden bei jedem Spaziergang größer und stießen so recht bald auf den Nymphenburger Kanal. Der eignet sich ideal für Dates (meine beste Freundin Elly hat da in Eigeninitiative eine Studie abgeschlossen – mit Happy End!), eine Breze vom Bäcker zum Frühstück, einen Hangover-Walk am Sonntagnachmittag, für eine Folge Podcast auf die Ohren und für die gewisse Ruhe in der Stadt. Und eben auch für einen lauen Sommerabend. Und genau wegen dieser lauen Sommerabende ist die Brücke mein Lieblingsort. 

Ich bin der größte Fan von Sonnenuntergängen. Die Gerner Brücke hatte also leichtes Spiel bei mir

Auf den aufgewärmten Steinen über dem Kanal ist jeden Abend etwas los. Egal ob Schüler*innen mit ihrem ersten Bier, Dates (Elly, bist es du?!) oder große und kleine Gruppen von Freund*innen – absolut egal in welchem Alter. Die einen nippen an ihrem Getränk vom Kiosk um die Ecke, die anderen haben einen Karton mit heiß dampfender Pizza vor sich stehen. Irgendwer hat eine Musikbox aufgedreht, manchmal spielen Künstler*innen auf ihrer Gitarre – ich habe sogar schon mal einen DJ gesehen. Die Schwäne gleiten über den Kanal, ein paar Enten quaken. In diesen Momenten muss ich mir immer kurz die Augen reiben um zu realisieren, dass das gerade nicht aus einer Nicholas-Sparks-Verfilmung stammt, sondern einfach meine Hood ist. 

Nachdem ich viele und viele Male an diesem Spektakel immer nur staunend vorbei gegangen bin, habe ich den Spot dann auch mal selbst ausprobiert. Ein paar Flaschen Wein, eine Hand voll Freund*innen und ein Sommerabend an der Brücke. Zuerst schien mir noch ein paar Stunden die Sonne ins Gesicht und wärmte mich, dann wurde ich Zeuge von einem der schönsten Sonnenuntergänge ever. Am Ende des Kanals steht das Nymphenburger Schloss, das egal zu welcher Wetterlage sehr majestätisch wirkt. 

© Sarah Langer

Doch wenn genau dahinter die Sonne verschwindet, noch durch die Fenster schimmert, den Himmel in ein zartes Rosa tüncht und sogar das Wasser im Kanal schimmert – dann schaue ich mich wieder nach Nicholas Sparks um. Dazu muss ich sagen, dass ich der wohl größte Fan von Sonnenuntergängen jeder Art bin – vor allem in Verbindung mit Wasser. Mit dieser Art von Romantik bekommt man mich sofort, die Gerner Brücke hatte also leichtes Spiel mit mir.

Aber als ich mich so umsah, ging es allen anderen genauso wie mir. Deshalb komme ich seit diesem Tag immer und immer wieder hier her. Ich plane meine Spaziergänge um den Kanal so, dass ich das Grande Finale an der Brücke miterleben kann. Ständig bringe ich meine Freund*innen dazu, mich in meinem Viertel zu besuchen und hier den Abend ausklingen zu lassen. Denn wer braucht schon die Maxvorstadt?! Was diese Brücke von anderen Brücken unterscheidet? Trotz vieler Leute wirkt es nicht überlaufen und die Münchner*innen stapeln sich nicht so wie auf der Hackerbrücke. Und warum gerade dieser Sonnenuntergang? Einfache Antwort: Wo sonst geht die Sonne denn bitte hinter einem Schloss unter?!

Ich hatte zwar nicht so viele Dates wie Elly, aber trotzdem verbinde ich mit diesem Ort eine ganz einzigartige Liebesgeschichte.

Ich hatte hier zwar nicht so viele Dates wie Elly, aber trotzdem verbinde ich mit diesem Ort eine ganz einzigartige Liebesgeschichte. Noch habe ich mich daran auch nicht sattgesehen und ich bezweifle stark, dass das jemals passieren wird. Wenn ich dem Sonnenuntergang jedoch etwas überdrüssig werde, verändere ich einfach mein Verhaltensmuster und besuche diesen Ort nach einer durchzechten Nacht zum Sonnenaufgang. Ist nicht weniger schön, so viel kann ich euch sagen. 

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