Krasser Kaffee: Specialty Coffee im neuen Sweet Spot am Viktualienmarkt

Heiß aufgebrüht fließt er uns jeden Morgen cremig die Kehle hinunter, strahlt uns dabei aus der Tasse an wie flüssiges Gold, schimmert wie Bernstein in der Nacht: Kaffee ist das Lebenselixier unserer Redaktion, der Stoff, aus dem unsere helleren Momente gemacht und von dem wir offen abhängig sind. Wie ein Haufen anderer Menschen in diesem Land, denn Fun Fact: In Deutschland wird mehr Kaffee als Wasser oder Bier getrunken.

So intensiv unsere Leidenschaft für Kaffee ist, so wenig wissen wir eigentlich über dieses Getränk. Markus Pyttel dagegen ist ein wahres wandelndes Lexikon des Kaffees. Er hat im September das Sweet Spot Café beim Viktualienmarkt aufgemacht, einen Specialty Coffee Laden, in dem er uns mit seinem Kaffee in ungeahnte Genusshöhen katapultiert. Unterstützt wird er von Leon, der ebenfalls ein ziemlicher Kaffee Nerd und gerade frisch aus Berlin zurück nach München gezogen ist. Gemeinsam wuppen sie seit drei Monaten diesen Laden für besonders guten Kaffee.

Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel
Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel

Im Sweet Spot gibt es Kaffee, den man am liebsten wie ein teures Glas Wein trinken möchte: inklusive dran schnuppern, schlürfen und gurgeln. Denn der Kaffee wird dort nicht nur mit besonders viel Liebe und ausgefeilter Technik aufgebrüht, sondern auch aus Bohnen gemacht, die sehr aufwändig gewonnen wurden. Er schmeckt dann mal fruchtig leicht, mal überraschend süß, aber niemals bitter. Denn der bittere Geschmack des Kaffees, den die meisten von uns für den Geschmack von Kaffee halten, entsteht eigentlich nur, weil die Bohnen zu stark geröstet und verbrannt werden, erklärt uns Markus.

Sein Kaffee dagegen schmeckt ganz anders. Das ist Kaffee, den man nicht mit Hafermilch strecken, oder in Zucker ertränken will. Im Sweet Spot kommen Kaffeekenner*innen auf ihre Kosten und Leute, die Kaffee sonst runterkippen wie Omas greisligen Hustensaft, werden hier eine ziemliche Offenbarung erleben. Es gibt eine handverlesene Auswahl Kaffeebohnen zu kaufen, immer dabei: Kaffee von Johannes Bayer, einem erstklassigen Münchner Kaffeeröster. Außerdem gibt es alles, was man an Zubehör brauchen kann – und all das begleitet von einer hervorragenden Beratung.

Erstklassiger Kaffee zu fairen Preisen

Den Cappuccino bekommt man für den München typischen Preis von 3,30 Euro, den Espresso für zwei Euro. Dazu gibt es feine Franzbrötchen – für ein schnelles Frühstück genau die richtige Kombi. Lange kann man auch nicht bleiben, denn viele Sitzmöglichkeiten gibt es nicht und es kommen immer wieder Leute in den kleinen Laden, denen man Platz machen will. In Sachen Inneneinrichtung und Umbau gab es viel Hilfe von Familien und Freunden, aber auch von entfernteren Bekannten, die einfach Bock hatten, Markus zu unterstützen.

Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel
Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel
Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel

Das Sweet Spot ist ein Café mit besonders viel Sinn für Geschmack. Es ist dabei aber kein bisschen überheblich. Wer hier einen Milchkaffee bestellt, wird nicht schief angeschaut. Markus geht es vor allem darum Kaffeetrinker*innen da abzuholen, wo sie sind: Wer seinen Kaffee gerne mit Milch trinkt, bekommt eben einen Cappuccino oder Milchkaffee. Kaffee-Arroganz sollte man sich einfach nicht leisten, findet er. "Man tut sich damit keinen Gefallen, da stirbt man einsam und alleine in seinem Elfenbeinturm." Er erklärt stattdessen lieber, warum die Kaffeebohnen, die sie anbieten, besonders sind und das Wasser im Sweet Spot mit Umkehrosmose veredelt wird.

Wo Filterkaffee zum höchsten aller Gefühle wird

Markus ist ein Quereinsteiger wie er im Buche steht. Wenn er davon erzählt, wie er vom lernbedingten Wirkungstrinker, über den ersten richtig guten Kaffee aus einer einfachen Bialetti in seiner Studentenbude in London bis zu seinem eigenen Kaffee-Laden am Viktualienmarkt gekommen ist, dann hört man die vielen harten Arbeitsstunden hinter der Theke raus – aber genauso die Freude, mit der er jede Minute dort verbracht hat.

Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel
Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel

Markus hat sich das meiste, was er über Kaffee weiß selbst beigebracht. Auf einer Barista Schule war er nie. "Niemand, den ich kenne, der diesen Job wirklich gut macht, hat jemals so eine Schule besucht", sagt er und lacht. Stattdessen ist er, bevor er seinen eigenen Laden aufgemacht hat, neben seinem eigentlichen Job in einer Werbeagentur, beinahe eineinhalb Jahre lang bei allen Speciality Coffee Läden Münchens in die Lehre gegangen: Im Café Bla hat er samstagelang einen Cappuccino nach dem anderen rausgelassen, im Standl20 und Man vs. Machine ausgeholfen, Barista Kurse gegeben und schließlich neun Monate lang daran mitgewirkt das bean+batter aufzubauen. Zu dem Zeitpunkt hatte er den Job in der Werbeagentur aufgegeben, um Vollzeit als Barista zu arbeiten.

Niemand, den ich kenne, der diesen Job wirklich gut macht, hat jemals eine Barista-Schule besucht.

Richtig dreckig habe er es sich gegeben, meint er, um zu sehen, ob er den Job drauf hat. "Viele stellen sich das total romantisch vor. Dass mein Job so wie jetzt ist: mit einer Tasse Kaffee rumzusitzen und zu ratschen. Und an manchen Tagen ist das auch so, aber ich bin hier sechzig Stunden die Woche und vierzig davon steh' ich hinter der Theke." Und er liebt es, denn abends kommt er nach Hause und ist müde wie man es nur nach richtig harter Arbeit ist.

Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel
Sweet Spot Café Viktualienmarkt
© Ida Heinzel

Den vagen Gedanken, dass wir unsere Coffee-Life-Balance besser in den Griff kriegen müssen, haben wir nach einem Besuch im Sweet Spot für immer in den Wind geschlagen. Es gibt noch viel zu viele Kaffeesorten auszuprobieren und ungeahnte Genusswelten zu entdecken. Ganz toll geht das übrigens bei den Kaffeeverkostungen, die im Sweet Spot organisiert werden: Es geht zu wie bei einer WG-Party, jeder bringt irgendwen mit, verschiedenster Kaffee steht zum Probieren bereit und das geht einfach mit dem Löffel. WG-Charme trifft auf Highend-Geschmack und alle sind glücklich.

Unbedingt probieren // Kaffee, Kaffee, Kaffee.

Mit wem gehst du hin // Alleine für den Kaffee-Hochmoment des Tages oder mit anderen, wenn du dieses Glück gern teilen willst.

Für Fans vom //  Café Bla, Man vs. Machine, bean+batter und dem Standl20.

Preise // Espresso für 2,00 Euro, Cappuccino für 3,30 Euro, Filterkaffee für 2,00 Euro, Flat White für 3,90 Euro.

Besonderheit des Ladens // Der Kaffee (as you may noted).

Sweet Spot | Heiliggeiststraße 1, 80331 München | Montag – Samstag: 10.00–19.00 Uhr | Mehr Info

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