Flaniervergnügen: Ein Spaziergang durch Haidhausen

Hach, Haidhausen. Wäre das Viertel eine Person, wäre es eine Pariserin Mitte 30, die der Liebe wegen nach München gezogen ist und jetzt mit Beret auf dem Kopf, Baguette unter dem Arm und einem Lastenradl voller kleiner Paulines und Frederiques durch die Straßen saust. Ein klein wenig spießig, aber auch irre elegant und einfach schön. Mit Kopfsteinpflaster, bewachsenen Häusern, Wimpelketten und gelben Vespa-Rollern sind die Haidhauser Straßen halt auch einfach prädestiniert dazu, dass auf ihnen spaziert wird. Wenn euch der Sinn danach steht, durch eine heimelige, heile Welt zu flanieren: auf nach Haidhausen!

1. Stopp: Schokolade zum Frühstück

Los geht die vergnügte Tour im östlichen Teil von Haidhausen, in der Elsässer Straße im Franzosenviertel. Hier wartet in der Hausnummer 25 ein kleines Stückchen Bretagne auf euch: die Boulangerie und Pâtisserie Claude & Julien. Hier könnt ihr euch ganz nach Gusto mit buttrig-weichen Pain au Chocolats, Pistazien-Macarons oder Quiche eindecken. Dazu bestellt ihr euch noch einen Cappuccino oder eine dampfende heiße Schokolade (bestenfalls im selbst mitgebrachten Mehrwegbecher).

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Claude & Julien in Haidhausen: Das beste Pain au Choloat der Stadt

© Julia Mielewski Die besten Pains au Chocolat im Claude & Julien mitnehmen

Ihr träumt von Paris im Frühling und Pain au Chocolat in der Sonne? Zumindest können wir euch mit der wahrscheinlich französischsten Bäckerei in München aushelfen: Das Claude & Julien in Haidhausen (Franzosenviertel, natürlich!) macht ganz außergewöhnliche Brioches, Macarons, Croissants und die vielleicht besten Pains au Chocolat der Stadt: blättrig und buttrig und die Schokolade ist noch warm, wenn das Gebäck auf euren Teller oder in die Tüte zum Mitnehmen kommt. Schon seit 13 Jahren lebt Inhaber Claude in München, ein paar Jahre später traf er den Konditormeister Julien aus der Bretagne und gemeinsam beschlossen sie, eine kleine Bäckerei aufzumachen.

Für ein Frühstück wie Gott in Frankreich geht's jetzt einmal um die Ecke, die Breisacher Straße entlang bis zum Bordeauxplatz. Hier könnt ihr euch mit euren Errungenschaften ein schönes Picknick-Plätzchen suchen, gemütlich frühstücken und das Treiben rundherum die kleine Stadt-Oase beobachten. Zur Verdauung gibt's danach erstmal eine Runde Backgammon oder ein vorgezogenes Mittagsschläfchen zwischen den bunten Blumenbeeten.

2. Stopp: Mittagsschläfchen

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Bordeauxplatz Haidhausen

© Ida Heinzel Wie Gott in Frankreich am Bordeauxplatz sitzen

Der Bordeauxplatz ist, wenn man so will, der Gärtnerplatz in Deluxe Edition. Nicht nur die Blumenpracht ist hier immer um einiges bunter, der Platz ist an sich auch größer und bietet viel mehr Freiraum. Hier habt ihr viel Wiesenfläche und einen Brunnen, der vor allem im Sommer sehr praktisch ist, sowie genug Bänke. Der perfekte Ort, um einfach mal ein Weilchen zu verweilen und über das Leben zu sinnieren. Am Bordeauxplatz sitzt man schön, bei viel Sonnenschein auch schattig – und wenn der Abend zu kühl wird, gibt es in der Nähe genug gute Lokale, in die man noch einkehren kann!

Wenn ihr genug gesessen und über das Leben sinniert habt, geht's weiter über die Metzstraße bis zu einer der wohl schönsten Straßen Münchens: die Preysingstraße. Hier könnt ihr euch fühlen, wie auf dem Land, über Kopfsteinpflaster spazieren und ein wenig neidisch in die Fenster der schönen Häuschen lugen. Manchmal hängen hier sogar Wimpelketten – mehr Idylle geht eigentlich nicht. Das Highlight der Straße sind aber die kleinen Häuschen: die Töpferei, das Üblackerhaus und der Kriechbaumhof, eine alpin anmutende Holzhütte.

3. Stopp: Landidylle

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© Nina Vogl Ein bisschen Dorfidylle in der Preysingstraße genießen

Für uns ist und bleibt die Preysingstraße einfach eine der schönsten Straßen Münchens – vor allem das östliche Ende der Straße. Wenn ihr fernab des Trubels spazieren gehen wollt, empfehlen wir euch einen Abstecher nach Haidhausen. In der Preysingstraße fühlt es sich zwischen Kopfsteinpflaster, Kastanienbäumen und schnuckeligen Häuschen immer ein bisschen so an, als wäre die Zeit stehen geblieben!

Je weiter man an der Preysingstraße in Richtung Westen läuft, desto mehr fühlt es sich wieder nach Stadt an. Auf der rechten Seite kommen aber noch ein paar schnuckelige Häuschen mit bunten Fensterläden, deren Fassaden von fliederfarbenem Blauregen bewachsen sind. An der großen Kreuzung biegt ihr rechts in die Metzgerstraße ein und lauft den Johannisplatz entlang. Vorbei am guten alten Johannis Café geht's bis zum Ende des Platzes nach links auf die kleine Kirchenstraße. Wenn man hier über die Tramschienen auf die bewachsene Brasserie Le Faubourg guckt, muss man sich kurz kneifen, um sich daran zu erinnern, dass man nicht in Marseille sondern mitten in München steht.

4. Stopp: Lokal einkaufen

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Hier Store

© Hier Store Münchner Labels unterstützen und spannende Brillen kaufen im HIER Store

Textildesignerin Stephanie Kahnau hat nicht nur ein eigenes Label, sondern davor auch den Ruffini Store am Rindermarkt gemacht. Ihr neuer, selbst gestalteter Laden in Haidhausen bringt endlich einmal ein bisschen jungen Wind ins Viertel. Hier findet ihr ausschließlich Münchner Labels – Naturkosmetik von I want you naked, Rucksäcke von Vanook, Porzellan von Annika Schüler und vieles mehr. Unbedingt einen Besuch wert! Außerdem sind im Hinterzimmer vom Store seit kurzem Jules&Mel ansässig, bei denen ihr wunderschöne und nachhaltige Brillen von drei tollen Brands kaufen könnt. Die zwei zuckersüßen Girls sind nicht nur fachkundige Optikerinnen, sondern haben auch ein super Gespür dafür, welche Brille zu einem passt. Ihr merkt, wir sind ein bisschen verliebt und legen euch einen Abstecher in den HIER Store unbedingt ans Herz!

Über die Innere Wiener Straße geht's jetzt vorbei am schönen Wiener Platz (auf dem man übrigens auch super regionale Produkte kaufen kann) immer weiter bis zum HIER Store. Plaudert eine Runde mit den lieben Girls vom Laden und stöbert euch durch tolle Produkte lokaler Brands. Wenn ihr genug geshoppt habt, könnt ihr die Innere Wiener Straße weiter bergab laufen. Auf der Höhe des Gasteig geht's dann rechts über einen kleinen Spazierweg ab ins Grüne und in Richtung Norden bis zum Maximilianeum. Von dem imposanten Gebäude aus könnt ihr natürlich nicht nur super Sonnenuntergänge beobachten, sondern auch zu jeder anderen Tageszeit die Aussicht auf die Maximilianstraße genießen.

5. Stopp: Aussicht-Goals

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Maximilianeum

© Ida Heinzel Den Sonnenuntergang vom Maximilianeum gucken

Die Terrasse vorm Maximilianeum ist ein super Spot, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Von hier oben habt ihr freien Blick nach Westen, Frauenkirche und Rathausturm inklusive. Vor euch beginnt die Maximilianstraße, auf der Sightseeing-Busse über das Kopfsteinpflaster tuckeln. Unter der Brücke rauscht die Isar und direkt hinter euch ragt eines der hübschesten Gebäude der Stadt in die Höhe.

Wem jetzt der Sinn nach einem Spaziergang am Wasser steht, schlendert unter der Maximiliansbrücke den malerischen Mauersteg entlang. Rechts die Isar, links der Auer Mühlbach – best of both worlds München Edition! Nach etwa zehn Minuten gemütlichem Flanierens kommt ihr am Kabelsteg an.

6. Stopp: Isarrauschen lauschen

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Kabelsteg

© Ida Heinzel Am Kabelsteg dem Rauschen der Isar lauschen und die Aussicht genießen

Wenn man die Augen schließt, könnte es auch als Meeresrauschen durchgehen. Ein kleines Stück südlich vom Kabelsteg, der das rechte Isarufer mit der Praterinsel verbindet, sitzt man höchst idyllisch. Mit Blick auf die wunderschöne Kirche St. Lukas und das rauschende Wehr wundert man sich, warum man hier nicht öfter ist. Vielleicht sind die typischen Isarspots zu offensichtlich oder man biegt einfach immer schon ein Stück zu früh ins Muffatwerk ab. Je nachdem, wie der Wasserstand der Isar so ist, sitzt man sogar im Sand. Ansonsten auf der Kiesbank oder der kleinen Mauer ein Stück weiter oben. So oder so, mit einem kühlen Getränk in der Hand und den Zehen im Wasser kann man hier perfekt die Abendsonne genießen.

Von der Fußgängerbrücke aus hat man eine tolle Sicht auf den Wehrsteg, die Praterinsel, die St. Lukas Kirche und das Müller'sche Volksbad. Wenn ihr euch von der rauschenden Isar loslösen könnt, geht's über die Grünfläche hinter dem Muffatwerk ganz urban weiter in der Kellerstraße, die ihr bis zum Weißenburger Platz laufen könnt.

7. Stopp: Craft-Bier und Gelassenheit

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© Robert Köhler Die Ruhe am Weißenburger Platz genießen

Ein hübscher Brunnen, drumherum bunte Blümchen und Hausfassaden, die zusammen einen großen Kreis formen. Willkommen am Weißenburger Platz, Haidhausens Antwort auf den Gärtnerplatz. Zugegeben, hier geht es wesentlich ruhiger zu als auf der linken Isarseite. Dafür findet ihr am Weißenburger Platz immer eine Sitzmöglichkeit am Brunnenrand oder auf der Bank. Auch abends lohnt es sich, hier vorbeizuschauen. Dann setzen Lichter den Brunnen und das plätschernde Wasser so richtig in Szene. Ein perfekter Ort fürs Feierabendgetränk.

Wer will, holt sich noch ein Craft Bier to go vom Meisterstück und sucht sich ein Plätzchen am Brunnen. Hier kann man ähnlich wie am Gärtnerplatz herrlich cornern, nur geht hier alles ein bisschen gediegener zu und fühlt sich französischer an. Wer in Stöberlaune ist, schaut noch im buch&töne vorbei.

8. Stopp: Flanieren

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Sedanstraße

© Ida Heinzel Zwischen Oldtimern und pastellfarbenen Häusern durch die Sedanstraße laufen

Haidhausen ist für uns ja sowieso der Inbegriff der Idylle. Wo sich das aber unserer Meinung nach besonders bemerkbar macht, ist in der Sedanstraße! An der Kreuzung mit der Metzstraße geht es zwischen Blumenladen und Fortuna Kaffeebar noch trubelig zu, aber biegt man nach links oder rechts in die Sedanstraße ein, erwartet einen nichts als Gelassenheit. Die Hausmauern sind pastellfarben, die Hauseingänge teils bewachsen, auf der Straße reihen sich alte Vespas an Oldtimer. Eine schöne Ecke, um einfach mal ein bisschen durch die Gegend zu streifen und den Alltag Alltag sein zu lassen.

Über die Metzstraße geht's wieder mehr in Richtung Nordost in den wohl gemütlichsten Teil des Franzosenviertels. Bei so viel spazieren darf die Hydration nicht auf der Strecke bleiben – zum Glück verschafft das schönste Retro-Café Münchens, die Fortuna Cafébar, da Abhilfe. Holt euch feinsten Kaffee aus Florenz oder einen Aperitif to go und spaziert ein bisschen im Kreuz aus Metz- und Sedanstraße auf und ab. Ihr möchtet euch mal wieder ein bisschen mediterran fühlen? Dann legen wir euch dringend einen Abstecher in den Feinkostladen L'angolino ans Herz, der am nördlichen Ende der Metzstraße liegt.

9. Mediterrane Gefühle

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Wein Weinregal

© Unsplash | Hermes Rivera Antipasti und sizilianische Weine im Feinkost L'angolino kaufen

Der Feinkostladen L'angolino ist ein kleines Stückchen Sizilien mitten im Franzosenviertel. Santa und Francesco Cerone zaubern in der hellen Vinothek frische Pizzen, Pasta und Dolci, die ihr an hohen Holztischen genießen könnt. Dazu gibt's eine riesige Auswahl an hausgemachten Antipasti, Parma- oder Trüffelschinken, Parmigiano Reggiano, Büffelmozzarella und anderen Feinkost-Köstlichkeiten für zuhause. Lasst euch von den beiden netten Inhaber*innen beraten und nehmt auf jeden Fall noch das ein oder andere Flascherl sizilianischen Wein mit nach Hause!

Wenn ihr jetzt mehr sizilianische Weine eingekauft habt, als ihr selbst trinken könnt, empfehlen wir euch noch einen Abstecher ins Kokolores, das nur ein paar Häuser weiter liegt. In dem kleinen Laden findet ihr wahnsinnig schöne Papeterie und kleine Geschenke. Kauft doch noch eine Postkarte und verschenkt eine der Weinflaschen an jemanden, der gerade ein bisschen Aufmunterung gut gebrauchen kann!

10. Stopp: Stöbern

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Kokolores

© Kokolores Kalender, Notizbücher und Geschenkpapier im Kokolores kaufen

Verrückt und ausgefallen geht's auch im Kokolores in Haidhausen zu kaufen. In dieser Wundertüte von einem Laden warten kleine Geschenke wie Kalender, Notizbücher, Christbaumschmuck und lustige Figuren auf euch. Und die perfekte Verpackung dafür gibt's gleich dazu: Wunderschönes Geschenkpapier und hübsche Karten. Der Kokolores hat am 24. Dezember bis 13.00 Uhr geöffnet.

Wer nach all dem Laufen, Gucken und Stöbern jetzt hungrig ist, kann wieder quer über den Bordeauxplatz zurück zum Ausgangspunkt in die Breisacher Straße laufen. Hier wartet der vegane türkische Imbiss Erbil's auf euch, der für seinen krassen Seitan-Döner und Falafel-Dürüm bekannt ist. Wenn ihr euch dann noch ein bis elf Stück vegane Baklava und Soja-Ayran mitnehmt, kann der Abend nur gut werden!

11. Stopp: Seitan-Döner & vegane Baklava

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Kartoffel König Falafel

© Pixabay | Ajale Veganer Döner in Erbils Orient Lounge

Döner macht schöner – nicht unbedingt jeder, aber der hier bestimmt. Mediterran und vegan kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Der im Januar 2016 neu eröffnete vegane Döner liegt etwas versteckt, in ruhiger, aber super gemütlicher Haidhaus’ner Lage und wird seinem „Orient Lounge“ Namen durch entsprechend entspannte Couch-Ecken mehr als gerecht. Erbil, der Besitzer, setzt sich gerne mal auf einen Tee (der für alle Kunden übrigens kostenfrei im Laden bereit steht) zu seinen Gästen dazu und ist für jeden Tratsch über Gott und die Welt oder auch einfach über veganes Essen bereit. Toll: Sehr bodenständige Preise.

Hier nochmal alle 11 Stationen des Spaziergangs als Übersicht

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