Frühling fühl ich: Eine Liebeserklärung an die Sonne im Februar

© Unsplash | Federica Ariemma

Auf den Wegen liegt noch Streukies, jedoch ist der jetzt münchen-typisch in kleine Streifen gezogen. Dazwischen knirscht nicht mehr viel und das Salz ist ganz verschwunden, hat nur eine gewisse Bleiche über den Boden gelegt. Überhalb der Grasnarbe allerdings explodiert aktuell der bunte Frühling. Die Natur wechselt von braun auf grün-gelb, fast wie der Farbverlauf der sinnbildlichen Gösserflasche, die jetzt wieder den öffentlichen Raum erobern wird. Für den ebenso sprießenden Spritz gibt es leider kein richtig passendes Schauspiel, außer vielleicht Sonnenuntergänge. Die verlaufen zwar im Winter ebenso orangerot, ohne Kälte lassen sie sich jedoch deutlich leichter genießen.

Endlich wird uns allen wieder bewusst, warum wir diese Stadt so lieben. Warum es tatsächlich Vergnügen bereitet, durch diese Straßen zu schlendern. Zeitgleich mit den Temperaturen ist letztes Wochenende nämlich die Laune gestiegen.

Wobei es faktisch ja noch Winter ist. Der Frühlingsanfang ist kalendarisch zumindest im späten März zu verorten. Aber geografisch liegen wir ja auch im Süden Deutschlands und nicht im Norden Italiens – und auch das hat noch nie jemanden gekümmert. Für solch Kinkerlitzchen haben die Bewohner*innen Monaco di Bavarias einfach keinen Sinn. Anmerkungen diesbezüglich würden außerdem untergehen, so laut ertönt gerade das kollektive Aufatmen über den Beginn des Sommers – im Februar.

Letzten Freitag war es soweit, der Frühling hat Einzug gehalten in München und wie eine Blume, die eventuell etwas verfrüht auf die Sonne reagiert und möglichst schnell ihr ganzes Blütengewand zeigen will, präsentiert sich die Stadt in ihrer ganzen Pracht. Die Sonne scheint den Menschen ins und aus dem Gesicht – manchmal sogar aus ganz anderen Körperteilen. Die Postkarten-Münchner*innen sind zurück. Am Gärtnerplatz und an der Isar drängen sich die Leute, über die Brücken geht man im Pulk.

Gerade lag noch Schnee, jetzt schmilzt das erste Eis der Saison unsere Zungen hinunter.

Warum der Inzidenzwert im Umland trotzdem höher ist als hier, das müssen schlauere Menschen deuten als ich. Schön wäre es trotzdem, wenn wir wegen ein bisschen Sonne nicht jede Vorsicht schwinden lassen, Vitamin D wird den Virus nicht zurückhalten. Aber selbst wenn man den Gärtnerplatz erst spätabends aufsucht und nur mit seiner Infektionsgemeinschaft dort auf einer Bank Abstand wahrt – es fühlt sich trotz drei Grad einfach warm an, so als wäre vorerst das Schlimmste überstanden. Als könnte man den Sommer schon schmecken und die Gastro schon werkeln hören.

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Endlich wird uns allen wieder bewusst, warum wir diese Stadt so lieben. Warum es tatsächlich Vergnügen – Hat er nicht gesagt?! – bereitet, durch diese Straßen zu schlendern und über die Wege zu flanieren, die wir doch eigentlich schon so gut kennen. Zeitgleich mit den Temperaturen ist letztes Wochenende nämlich die Laune gestiegen. Gerade lag noch Schnee, jetzt schmilzt das erste Eis der Saison unsere Zungen hinunter. Zitrone-Basilikum in der Waffel, und mit den pappigen Händen dann zur Tischtennisplatte oder an den Basketballplatz

Die Sonne scheint den Menschen ins und aus dem Gesicht – manchmal sogar aus ganz anderen Körperteilen.

Dürfen wir die Körbe dieser Stadt eigentlich schon wieder benutzen? Fraglich, aber plötzlich wird klar, warum wir vor dem Winter eben nicht dreimal die Woche zum „Ausgleich“ Spazieren gegangen sind. Sonnendurchfluteter Jubel an der Platte, einen Siegesschluck Spezi – und plötzlich ist alles doch wieder ganz gut.

© Nina Vogl

Persönlich bin ich immer ein wenig reserviert, was den Frühling angeht. Die ersten leckeren Düfte der Pflanzen bedeuten für viele Menschen Glücksgefühle und den Start ihrer Lieblingsjahreszeit. Für mich jedoch beginnt das große Schniefen, was mich ab sofort nicht nur wenig elegant, sondern schlicht höchst ansteckend erscheinen lässt. Und trotzdem: Nicht nur ich, sondern andere Vertreter*innen meiner Heuschnupfen-Bubble haben sich das erste Jucken dieses Jahr geradezu herbeigesehnt. Weil es insgesamt dann doch für eine bessere Zeit steht. Man kann auch mit einer Rotznase ganz hervorragend im Schanigarten sitzen – wenn sonst die Symptome passen.

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