Sojamilch-Struggle: So lebt es sich in München mit Unverträglichkeiten

© Pexels

"Wir haben Hafermilch als vegane Alternative.“ Nach dieser Antwort könnte ich eigentlich wieder rückwärts aus dem Café marschieren, denn eines meiner liebsten Getränke gibt es hier für mich nicht. Zumindest nicht mit Milch, beziehungsweise einem Drink, wie die Alternativen offiziell betitelt werden dürfen. Ohne geht Kaffee bei mir nämlich nicht. Meist lächelnd entgegne ich dann aber: "Schade, dann für mich eine Limo, danke!“

Was kannst du noch essen?

Ich bin nicht nur neu in München, neu in der bayerischen Kultur und neu in meinem Viertel, ich ernähre mich auch noch glutenfrei und vegan. In meinen Kaffee kommt daher tatsächlich nur Sojamilch. Meine Ernährungsweise ist eine Kombi, die bei vielen zwei Fragen aufwirft: "Warum? Und wovon ernährst du dich dann?“ Die zweite Frage ist relativ schnell beantwortet: Obst, Gemüse, Ersatzprodukte und allem, was eben kein Gluten oder tierische Produkte enthält. Wer es glaubt oder nicht: Da bleibt ziemlich viel übrig. Eben auch Sojamilch, die es aber mittlerweile viel zu selten gibt!

Das "Warum" ist eigentlich auch nicht so schwer: Ich habe Allergien und Unverträglichkeiten und die führen in den meisten Fällen dazu, dass ich vieles dankend ablehnen muss. Für mich wird essen und manchmal eben auch trinken zu einer kleinen Tortur, artet aus in einem Minivortrag oder endet in einer Rechtfertigung darüber, dass es kein Trend ist. Auch, wenn die Zahlen von Unverträglichkeiten und Allergien scheinbar einen steigenden Trend abzeichnen, ist das wirkliche Leben damit kein Zuckerschlecken. (Zucker kann ich übrigens essen.)

© Nina Vogel | Roman Glöckner

Es ist kein Trend!

Der Absatz an glutenfreien Produkten ist im Allgemeinen gestiegen und viele verzichten mittlerweile auf Gluten, auch ohne eine Diagnose. In Deutschland leiden rund 400.000 Menschen an Zöliakie, bei der schon kleine Kontaminationen zu einer Reaktion wie Störung des Immunsystems führen können. Ich habe zum Glück "nur" eine Sensitivität und eine Allergie gegen Eiweiß. Wenn Glutenfrei für mich ein Trend wäre, würde ich den Verzicht nämlich schnell sein lassen. Essen gehen mit Freund*innen geht bei mir immer einher mit dem vorherigen Check der Onlinespeisekarte und meist bin ich es, die einen Ort vorschlagen muss, damit ich dort auch was finde. In einer fremden Gruppe essen oder gar zu einem Essen eingeladen werden – für mich der persönliche Horror.

Glutenfreie und auch vegane Produkte sind meist um einiges teurer als die „ursprünglichen“. Da kosten glutenfreien Haferflocken schnell mal doppelt so viel.

Horror sind teilweise aber auch die Preise der Ersatzprodukte: Natürlich bin ich dankbar für jede Möglichkeit auswärts etwas zu essen, vegane Milchalternativen zu bekommen, aber mehr als vier Euro Aufpreis für eine glutenfreie Pizza zu bezahlen, ist echt unfair. Den veganen Käse für 1,50 Euro lasse ich dann notgedrungen weg. Nicht zu vergessen ist die Unsicherheit und das Abgeben von Kontrolle: Ich muss mich auf die Angaben in der Speisekarte verlassen. Wie unangenehm mir das explizite und manchmal unvermeidbare Nachfragen ist – davon können meine Freund*innen ein Lied singen.

Ersatzprodukte gehen aufs Geld

Selbst kochen ist oft meine Devise und glücklicherweise macht mir das auch Spaß. Doch auch hier: Wer mit Unverträglichkeiten zu tun hat, weiß, worauf ich hinaus möchte. Glutenfreie und auch vegane Produkte sind meist um einiges teurer als die "ursprünglichen“. Da kosten glutenfreien Haferflocken schnell mal doppelt so viel. Auch der vegane Käse steht dem Kuhmilchkäse nichts nach. Von glutenfreiem Gebäck möchte ich gar nicht erst anfangen.

Natürlich könnte ich mich auch nur von Obst, Gemüse, Reis und Kartoffeln ernähren, aber sieht es mir nach, wenn ich als Schlemmermäulchen auch noch die ein oder andere kulinarische Freude im Leben haben möchte.

© Roman Glöckner

Mir ist bewusst, dass der glutenfreie Markt und die Nachfrage dort, deutlich geringer ist und die Produkte deswegen ihren Preis haben. Ja, ich weiß auch, dass deutlich weniger Menschen in München zur Soja- oder Mandelmilch greifen. Trotzdem sind Unverträglichkeiten und gerade Zöliakie eine Krankheit, mit der nicht zu spaßen ist. Bei Übergehung der empfohlenen Ernährung steigt zum Beispiel das Risiko für Darmkrebs. 

Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass Menschen mit Unverträglichkeiten keinem Trend folgen, sondern mit einem harten Bauch, Magenkrämpfen und Übergeben nicht leben möchten. Die Hafermilch lasse ich deswegen schön aus meinem Kaffee raus und nein Markus, nur weil wir die trinken sind wir übrigens keine "verweichlichte Hafermilchgesellschaft“, sondern achten auf unsere Gesundheit und Umwelt. Vielleicht erklärst du deinem Co-Host das nächste Mal lieber, dass die Luxusbesteuerung auf Milchalternativen sowas von 2015 ist – das nur am Rande.

Lasst mir meine Sojamilch

Botanista Café Club
© Brigitte Buck

Und dass Sojamilch nicht out ist! Sie hat nämlich gar nicht so eine schlechte Umweltbilanz, wie ihr immer nachgesagt wird. Der Wasserverbrauch ist hier geringer als bei der Hafermilch und übrigens wird auch der Regenwald nicht dafür abgeholzt, sondern für die Nahrungsbeschaffung der Viehzucht. Nebenbei gehört Soja zu den gesündesten Alternative zur Kuhmilch, da sie (ungesüßt) am wenigsten Zucker besitzt. Unverträglichkeiten und Allergien suchen wir uns nicht aus und das Leben kann damit wirklich schon hart genug sein. Deswegen lasst mir meine Sojamilch in meinem Kaffee und mich einfach in Ruhe essen. Super geht das zum Beispiel an diesen 11 Orten.

Hier gibt es veganes Food

Vegan frühstücken
Wer glaubt, dass Veganer*innen nur rohe Salatblätter zum Frühstück essen, hat einiges verpasst! In diesen 11 Läden gibt es so viel mehr.
Weiterlesen
Alles pflanzlich, oder was?
Munich goes vegan – Yeah! Von Burger, Pizza über Kuchen und Süßes: In diesen 21 Lokalen werdet ihr auch mit eurer pflanzlichen Ernährung happy.
Weiterlesen
Zurück zur Startseite